Eichelhäher – Vogel des Monats Oktober

Derzeit können wir sie wieder durch die Gegend ziehen sehen – die farbenprächtigen Eichelhäher. Sie gehören zu den schönsten heimischen Vögeln. Jetzt sind sie damit beschäftigt, ihre Wintervorräte zu sammeln und in sorgsam ausgesuchten Verstecken an strukturierten Waldrändern oder im Wald einzugraben und vor Fressfeinden zu verstecken.

Eichelhäher kommen von Westeuropa über einen breiten Streifen in Asien bis hin nach Japan und Indochina vor. Auch im nördlichen Mittelmeergebiet und in den Gebirgen in Marokko sind sie heimisch. Schätzungsweise gibt es weltweit mehr als 100 Mio. von ihnen. In Europa sind es ca. 18 bis 39 Mio. Individuen und in Hessen brüten mindestens 53 000 Paar (Rote Liste Hessen 2014). Damit ist der Eichelhäher ein nicht gefährdeter heimischer Brutvogel. Das war nicht immer so. Ende des 19. Jahrhunderts wurde er von Menschen intensiv verfolgt und war in weiten Bereichen fast ausgerottet. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts ließ der Verfolgungsdruck nach und die Bestände konnten sich allmählich erholen. Man sollte es aufgrund seiner kreischenden Stimme nicht vermuten aber er gehört zu den Singvögeln. Er wird auch Wächter des Waldes genannt, da er äußerst aufmerksam ist und beim Auftauchen von Predatoren sein durchdringendes Gekreisch ertönen lässt. Damit warnt er alle anderen Vögel vor Gefahren, die von Wildkatzen, Eichhörnchen oder auch Bilchen ausgehen können. Im Frühjahr, wenn das Blätterdach sich schließt, baut das Paar gemeinsam ein gut getarntes Nest, meist in der Höhe zwischen 1,5 und 8 Metern. Dorthinein legt das Weibchen 4 – 7 Eier, die 16 bis 17 Tage bebrütet werden. Sind die Jungen geschlüpft, verbringen sie die nächsten drei Wochen im Nest und werden als flügge Jungvögel noch weitere 3 – 4 Wochen von den Eltern versorgt. Die Nahrung besteht zu dieser Zeit vorwiegend aus tierischer Kost. Aus Raupen, Käfern, Spinnen und Heuschrecken. Außerdem werden auch Beeren verfüttert. Ab dem Spätsommer verlagert sich die Kost hin zu Pflanzlichem. Bevorzugt werden Eicheln, Haselnüsse, Bucheckern und Esskastanien. Diese werden dann ab Oktober auch als Wintervorräte gesammelt. Eichelhäher verbringen 10 bis 11 Stunden pro Tag mit der Nahrungssuche. Jedes Individuum kann innerhalb von 20 Tagen bis zu mehr als 2000 Eicheln, das entspricht 11 kg, zusammentragen und an geeigneten Stellen verstecken.  Da sie nicht alle Eicheln bis zum Ende des Winters wiederfinden, kann man sie auch als Gärtner des Waldes bezeichnen, denn hieraus keimen neue Eichen. Förster sprechen hier auch von Hähersaat. Sie erfüllen eine wichtige Funktion im Zusammenspiel des natürlichen Lebensraumes.

In Geiss-Nidda können wir sie zur Zeit in kleinen Trupps von vier bis sechs Tieren beobachten, die zusammen durchs Dorf ziehen und in den Gärten nach geeigneten Bäumen und Sträuchern suchen, dort die Früchte einsammeln und in ihrem Kehlkopf zum Wald transportieren. Unter Umständen bekommen unsere standorttreuen Eichelhäher Anfang des Winters noch Gesellschaft aus dem Norden oder aus Osteuropa. In unregelmäßigen Abständen gibt es große Einflüge wenn in den dortigen Brutgebieten die Nahrung knapp wird. Dies geschieht wenn die dortigen Bäume nur wenig Früchte tragen. Das könnte in diesem Jahr durchaus der Fall sein, denn seit ca. zwei Wochen wurden schon große Einflüge von Sibirischen Tannenhähern in Norddeutschland beobachtet. Da diese ebenfalls von Baumfrüchten leben und die sibirischen Arven in diesem Jahr wenig Fruchtansätze tragen, haben sie sich auf den Weg aus Russland über Finnland nach Deutschland gemacht. Es lohnt sich also, nach großen Einflügen von Eichelhähern Ausschau zu halten. Diese könnten eine lange Reise hinter sich haben.

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